Die Malzdarre

Die Malzdarre

 

Die Malzdarre stammt aus dem Ort V. Ulslev und kam 1925 ins Freilichtmuseum. Außen präsentiert sich die Malzdarre in ihrer ursprünglichen Gestalt, innen ist sie jedoch rekonstruiert. Zum Teil hat man sich dabei an den Spuren orientiert, die man vorgefunden hat, zum Teil geschah die Rekonstruierung anhand der Beschreibungen des Eigentümers.

 

"Wasser alleine war ein verachtenswertes Getränk, aber anders verhält es sich, wenn Malz und Hopfen dazukamen" oder "Bei ihm ist Hopfen und Malz verloren" sind alte Sprichwörter. Sie erzählen uns, zusammen mit der Tatsache, dass die Knechte und Mägde sich über die Beschaffenheit des Biers auf den verschiedenen Höfen informierten, wenn sie die Stelle wechselten, wie wichtig in alten Zeiten die Bierqualität für die Landbevölkerung war.


Auf den meisten Höfen war das Essen, das die Familie und die Dienstboten bekamen, sehr eintönig. Ein guter, wohlschmeckender Krug Bier zum Essen war daher wichtig. Das Wasser war oft ungenießbar, in erster Linie, weil sich der Misthaufen auf vielen Höfen in unmittelbarer Nähe des Brunnens befand.

 

Das Bier wurde mehrmals jährlich von der Bauersfrau zuhause auf dem Hof gebraut, und daher konnte der Geschmack über das Jahr hinweg, aber auch von Hof zu Hof, unterschiedlich sein. Denn jede Bauersfrau hatte ihre eigene Art, Bier zu brauen.
Einer der Arbeitsgänge beim Bierbrauen war das Trocknen des Malzes. Das musste sofort nach Erscheinen des Wurzelkeims geschehen, denn wenn erst einmal der Blattkeim zu sehen war, hatte das Malz seinen süßen Geschmack verloren. Sorgfalt bei der Trocknung war für den Geschmack und das Aussehen des Biers von großer Bedeutung, und je nachdem, wie viel Wärme man bei der Trocknung des Malzes zuführte und womit man die Wärme erzeugte, änderten sich Geschmack und Aussehen des Biers.

 

Das Malz konnte durch Erwärmen ohne Rauch über dem Hinterladerofen oder im Backofen getrocknet werden. Größere Mengen Malz trocknete man jedoch mit warmem Rauch in speziellen "Malzdarren". Das sind Feuerstellen, die speziell für diesen Zweck gedacht sind. Hierhinein wurde das Malz gelegt, oben in den Schornstein auf sogenannte "Horden". Das waren entweder Rahmen mit einem Boden aus Weidengeflecht oder Eisenplatten mit ganz kleinen Löchern, durch die der Rauch ziehen konnte.

 

Die Malzdarre konnte in einen offenen Schornstein im Wohnhaus eingebaut werden, aber aufgrund der damit verbundenen hohen Brandgefahr brachte man die Malzdarre oft in einem kleinen, freistehenden Häuschen unter. So ein Häuschen ist die Malzdarre des Freilichtmuseums, die aus V. Ulslev stammt. Eine Malzdarre war oft ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Höfe und Häuser.

 

Der Trocknungsprozess musste rund um die Uhr überwacht werden. Das Feuer musste gleichmäßig brennen, durfte aber nicht zu stark sein, denn zum einen musste verhindert werden, dass das Malz anbrannte, zum anderen musste man aufpassen, dass kein Brand entstand.

 

Dank einer Spende des Vereins 'Håndværker- og Industriforeningen i Maribo' in Höhe von 40.000 Kronen konnte die Malzdarre des Freilichtmuseums im Sommer 2006 mit einem neuen, schönen Reetdach gedeckt werden.